Wohnprojekt Hassel
Das Leben in einer Wohnung ist ein zentrales, menschliches Grundbedürfnis. Eine eigene Wohnung ermöglicht eine selbstbestimmte Lebensführung; hier bietet sich Schutzraum und eine Privatsphäre. Es ist der Ort für Unabhängigkeit, Selbstständigkeit, Rückzug und Erholung. Daher ist eine Versorgung mit Wohnraum und die stabile Absicherung eines Mietverhältnisses eine wesentliche Voraussetzung zur Stabilisierung der Lebensverhältnisse von Menschen in Wohnungslosigkeit und/oder psychischen Ausnahmesituationen.
Wie Menschen auf den Verlust reagieren, ist individuell sehr verschieden. Einerseits ist die persönliche Fähigkeit, mit einer Krisensituation generell umgehen zu können, davon betroffen, anderseits ist es entscheidend, wie zeitig ein Beratungs- und Hilfesystem angenommen wird.
Ein Wohnungsverlust steht häufig am Ende einer Kette von Ereignissen wie z.B. Arbeitslosigkeit, psychische und physische Erkrankungen, Einkommensverlust, Zahlungsunfähigkeit, soziale Isolation, Streit und Gewalterfahrungen in Familien.
Begleitete Bereitstellung von Wohnraum
Von Wohnungsverlust betroffene und bedrohte Menschen benötigen professionelle sozial begleitete Unterstützung, um wieder oder aber weiterhin möglichst selbstständig in einer eigenen Wohnung leben zu können. Sie müssen wieder Routine erlangen, Eigenverantwortung zu übernehmen, Handlungskompetenzen und Problemlösungsstrategien zu entwickeln, und eine positive Lebensperspektive erkennen. Durch die Sicherung oder Bereitstellung des Wohnraums („Housing First“) ergeben sich für die Betroffenen neue Möglichkeiten ihre Lebensumstände zu verbessern und den Zugang zur Gesellschaft wieder zu ermöglichen.
Wohnprojekt Hassel: alternative individuelle Unterstützungsangebote als Ergänzung zu bereits vorhandenen Strukturen
Das Wohnprojekt Hassel schafft Räume und Gelegenheiten für Menschen, sich aus existenzbedrohenden Lebenslagen zu befreien. Hierzu bietet das Projekt zum einen die Voraussetzung, dauerhaft mietrechtlich abgesicherten Wohnraum zu beziehen. Zum andern sind die unterschiedlichen Wohnformangebote zusätzlich mit der Bereitstellung unterschiedlicher, freiwillig in Anspruch zu nehmender, persönlicher Hilfs- und Unterstützungsangebote verknüpft. Ausgerichtet an den persönlichen Bedürfnissen der einzelnen Teilnehmer:innen bietet das Wohnprojekt unterschiedliche Möglichkeiten:
Wohnen in Tiny Houses
Das Wohnen in Tiny Houses für Menschen, die zu Beginn eines Mietverhältnisses aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in eine „normale“ Wohnung ziehen möchten.
Ambulant Betreutes Wohnen im Pfarrhaus
Gemeindenahes intensiv-personen-zentriertes Angebot zur sozialen Eingliederung und Rehabilitation des Caritasverbandes Gelsenkirchen
Gästezimmer
Kurzfristige, unbürokratische Unterkunft in bei starken Wetterereignissen wie Kälte, Sturm oder Hitze sowie anderen akuten Notlagen.
Leben im Sozialraum
7 Werke steht als Ankerpunkt und Schnittstelle für die Integration in den Sozialraum an der Seite der Teilnehmer:innen.
Wohnungslosigkeit und
Wohnungslosenhilfe
im Gelsenkirchener Norden
In der „Integrierten Wohnungsnotfall-Berichterstattung“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW* wurden im Jahr 2021 (Stichtag 30. Juni) in Gelsenkirchen 445 wohnungslose Personen gezählt, wovon 150 Personen durch kommunale und ordnungsrechtliche Unterbringung erfasst und 295 Personen von freien Trägern der Wohnungslosenhilfe gemeldet wurden.
Im Rahmen der Wohnungslosenhilfe gibt es in Gelsenkirchen ein breites Netzwerk unterschiedlicher Akteur:innen. Das Weiße Haus des Caritasverbandes in Gelsenkirchen-Buer bietet ca. 100 wohnungslosen Klient:innen die Möglichkein einer Beratung und elementaren Grundversorgung an 365 Tagen im Jahr an. Sie wohnen in der Zeit ohne Mietvertrag wechselweise in unsicheren Wohnverhältnissen bei Freunden, Bekannten oder Verwandten. Einige werden in den Notschlafstellen der Stadt Gelsenkirchen untergebracht oder schlafen draußen.
Ein Projekt im Winter 2021 in den Gemeinderäumen von St. Theresia in Gelsenkirchen Hassel, bei einem Kälteeinbruch mit Temperaturen von -17 Grad, hat die unterschiedlichen Bedarfe situativ sichtbar gemacht. Sieben obdachlose Personen konnten somit einen schützenden, individuell angepassten Wohnraum bekommen und wurden in der Zeit von Mitarbeiter:innen des Weißen Hauses begleitet und betreut.
Ein weiterer positiver Effekt auf Grund dieser Erfahrung führte zur verstärkten Annahme weiterer Hilfsangebote, um eine (Wieder-)Eingliederung in „übliche Lebensverhältnisse“ zu erreichen. Die Mitwirkung des Betroffenen ist dazu die Grundvoraussetzung.
* Integrierte Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2021 in Nordrhein-Westfalen. Struktur und Umfang von Wohnungsnotfällen: http://www.sozialberichte.nrw.de/sozialberichterstattung_nrw/kurzanalysen/Kurzanalyse-2-2022.pdf.